Wenn Reisende den Namen Samegrelo hören, denken viele zuerst an die Martvili-Schlucht. Das türkisfarbene Wasser und die beeindruckenden Kalksteinfelsen haben sie zu einer der bekanntesten Naturattraktionen Westgeorgiens gemacht. Doch Martvili ist nur der Anfang. Samegrelo ist eine Region, deren Landschaft sich auf dem Weg vom Tiefland in die Berge vollkommen verändert, und einige der außergewöhnlichsten Orte entdeckt man am besten mit etwas mehr Zeit, guten Wanderschuhen und der Bereitschaft, die üblichen Touristenrouten zu verlassen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist Tobavarchkhili, eine Gruppe hochgelegener Seen, die in den Egrisi-Bergen verborgen liegt. Schon der Weg dorthin ist ein Abenteuer: Mehrtägige Wanderungen führen durch abgelegene Berglandschaften, alpine Wiesen, felsige Pässe und wilde Täler. Der Name Tobavarchkhili bedeutet „Silbersee“ – eine passende Beschreibung für das Wasser, in dem sich die umliegenden Gipfel spiegeln. Das Erlebnis ist völlig anders als ein klassischer Besuch in Martvili: ruhiger, anspruchsvoller und eng mit der Bergwelt Samegrelos verbunden. Wer eine leichter zugängliche Alternative sucht, kann den Okatse Canyon mit seinem spektakulären Steg und den Waldwegen erkunden. In der Umgebung von Nokalakevi treffen dagegen Natur und Geschichte aufeinander – mit den Überresten einer antiken Stadt und den nahegelegenen Thermalquellen. Auch der Fluss Khobistskali und die Landschaften entlang seines Verlaufs zeigen eine weitere Facette der Region: grüne Täler, Dörfer und eine Lebensweise, die noch immer eng mit der Natur verbunden ist. All diese Orte sind nicht einfach einzelne Sehenswürdigkeiten, die man abhakt. Zusammen zeigen sie, wie vielfältig Samegrelo tatsächlich ist.
Vielleicht entdeckt man diese Vielfalt am schönsten, wenn man sich Zeit lässt und die Region gemeinsam mit den Menschen erkundet, die sie am besten kennen. In den Dörfern Samegrelos kann ein lokaler Guide Sie auf einen Weg führen, der in keinem klassischen Reiseplan steht, Ihnen die lokalen Namen von Bergen und Seen erklären oder Sie zu einer Familie bringen, bei der aus einem kurzen Besuch schnell ein langes Mittagessen mit typisch mingrelischen Gerichten und Geschichten wird. Samegrelo ist für seine besondere Küche bekannt – von Elarji und Gebzhalia bis zum würzigen mingrelischen Chatschapuri. Doch Essen ist hier mehr als nur etwas zum Probieren: Es gehört zur Gastfreundschaft und zur Identität der Region. Sie können Martvili mit einem Spaziergang durch die umliegende Landschaft verbinden, mehr Zeit in Nokalakevi verbringen, die Wälder und Täler rund um die Egrisi-Berge erkunden oder sich der Herausforderung von Tobavarchkhili stellen und Samegrelo aus einer völlig anderen Perspektive erleben. Das Schöne an Samegrelo ist, dass Sie nicht alles an einem Tag sehen müssen. Lassen Sie Martvili Ihr Einstieg sein, nicht Ihr Endpunkt. Gehen Sie ein Stück weiter, übernachten Sie in einer Familienpension, hören Sie den Geschichten der Einheimischen zu, probieren Sie die regionale Küche und geben Sie der Landschaft die Zeit, sich Ihnen zu zeigen. Jenseits der berühmten Canyons geht es in Samegrelo weniger um Sehenswürdigkeiten und mehr darum, eine lebendige Region kennenzulernen – ihre Berge, Dörfer, Traditionen und die Menschen, die diesen außergewöhnlichen Teil Georgiens seit Generationen ihre Heimat nennen.



