Georgien gehört zu den wenigen Ländern, in denen die Neujahrsfreude nicht am 1. Januar endet, sondern sich bis Mitte Januar fortsetzt. Das Alte Neujahr, das am 14. Januar gefeiert wird, basiert auf dem Unterschied zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender, der 13 Tage beträgt und in orthodox geprägten Kulturen bis heute eine wichtige Rolle spielt. Während der 1. Januar mit großen Feiern, Feuerwerken und öffentlichen Veranstaltungen verbunden ist, fühlt sich das Alte Neujahr deutlich ruhiger und familiärer an. Viele Menschen verbringen diesen Tag zu Hause im Kreis ihrer Liebsten, genießen hausgemachte Speisen und teilen Geschichten und Erinnerungen. Statt lauter Musik und großer Menschenmengen steht hier Nähe, Wärme und Tradition im Mittelpunkt. Für viele Georgier ist das doppelte Neujahr kein Übermaß, sondern ein Geschenk — zusätzliche Zeit für Familie, Besinnlichkeit und echte Begegnungen in der kalten Winterzeit.
Das Alte Neujahr ist eng mit besonderen georgischen Bräuchen verbunden, die diesen Tag einzigartig machen. Besonders wichtig ist der Mekvle, der erste Gast, der am 14. Januar das Haus betritt und symbolisch Glück, Wohlstand und Erfolg für das kommende Jahr bringt. Familien wählen diese Person sehr bewusst aus, da ihr Besuch als gutes Omen gilt. Auch traditionelle Speisen spielen wieder eine Rolle, darunter Süßigkeiten, Nüsse, Churchkhela und festliche Gerichte, allerdings in einer ruhigeren, gemütlicheren Atmosphäre. In vielen Haushalten findet man weiterhin den Chichilaki, den traditionellen georgischen Neujahrsbaum aus Haselnusszweigen, der für Erneuerung und Hoffnung steht. Für Reisende bietet das Alte Neujahr eine wunderbare Gelegenheit, Georgien authentisch zu erleben, fernab des Massentourismus, und einen tiefen Einblick in gelebte Traditionen und herzliche Gastfreundschaft zu erhalten.



